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Erinnerung an Danira

danira_erinnerungDanira vom Eichbüel

Am 17. August 2011, nur eine Woche vor ihrem neunten Geburtstag, musste Danira uns leider verlassen. Sie ist so gegangen, wie sie gelebt hat - auf ihre ganz besondere Art.

Im November 2001 starb unsere damalige Leonberger- Hündin Aischa auf sehr schmerzvolle und traurige Art.
Diese schlimme Zeit hatte uns so mitgenommen, dass wir nun bis auf weiteres keinen Hund mehr haben wollten. Aber schon bald mussten wir erkennen, dass wir dafür nicht mehr geschaffen waren. Die Stille im Haus war bedrückend, auf Spaziergängen kamen wir uns ohne Hund komisch vor, und auch unsere Laune war häufig nicht die beste - so ging das einfach irgendwie nicht.

Schnell war uns klar: Für unseren Seelenfrieden brauchten wir wieder einen Hund in der Familie. Dass es wieder eine Hündin sein sollte, hatten wir rasch entschieden, und auch die Rasse war für uns irgendwie keine Frage: Einmal Leonberger, immer Leonberger.

Über die Welpenvermittlung des SLC erfuhren wir, dass bei den “Leonbergern vom Eichbüel” von Katharina Walder in Guntershausen - also ganz in unserer Nähe - demnächst ein Wurf zu erwarten sei. Meine Frau schnappte am nächsten Tag ihr Motorrad und fuhr nach Guntershausen, “nur um mal zu schauen, wo der Zwinger ist”. Als sie drei Stunden später noch nicht zurück war, konnte ich vermuten, dass es nicht beim “nur mal schauen” geblieben war. Tatsächlich hatte sie sofort Kontakt aufgenommen, zuerst einmal mit dem kapitalen Leo-Rüden Baitas, welcher sich sofort in die kleine Frau in Töffkleidern verliebt hatte, und dann natürlich auch mit der Züchterin selbst.
Katharina Walder legte grossen Wert darauf, die Leute und ihr Zuhause genau kennenzulernen, bevor sie einen Welpen platzierte. Es folgten deshalb in den folgenden Tagen mehrere gegenseitige Besuche, bei denen wir auch die hoch trächtige Jimena, die zukünftige Mama, kennenlernen konnten. Wir waren überglücklich, als Katharina meinte, ein Hund hätte es bei uns auf jeden Fall sehr schön, und sie würde uns darum gern einen Welpen geben.

Am 24. August 2002 war es dann so weit. Jimena bekam acht prächtige Welpen, vier Mädchen und vier Jungs.
Mehrere Male konnten wir in den nächsten Wochen die Welpenschar und ihre stolze Mama besuchen. Zwei Hündinnen waren bereits vergeben, also konnten wir wählen zwischen den beiden Mädchen mit dem blauen und dem weissen Bändeli. Bei unseren Besuchen lernten wir zum ersten Mal die ganz besondere Art der “Blauen”. Sie entschied selber, was sie tun wollte: Sie spielte mit Mama, während die anderen Welpen schliefen. Sie legte sich beim Fototermin hin, während die anderen sieben sassen. Und sie wich uns bei jedem Besuch nicht vor der Seite, wie wenn sie sagen wollte: Hey, das sind meine Leute, ich habe mich entschieden.

Ende Oktober zog die kleine Danira dann bei uns ein, vom ersten Tag an mit einer Selbstverständlichkeit, wie wenn sie schon immer hier gewohnt hätte. Wir machten uns anfangs ein wenig Sorgen über die Erziehung der Kleinen, die ja so gern selber entscheiden wollte, aber Danira bewies uns das Gegenteil. Ich habe nie sonst einen Junghund erlebt, der so einfach zu erziehen war. Sie kapierte die meisten Dinge sofort, war für ihr Alter wirklich sehr gehorsam, hatte vor nichts Angst und strahlte eine ruhige und souveräne Selbstsicherheit aus, ohne jemals dominant oder stur zu sein. Sie hatte eben “ihre ganz besondere Art”.

Von ihrer Mutter Jimena hatte Danira die Liebe zum Dreck und die Verfressenheit - wir nannten es aus Spass immer das “Fress-Gen” - geerbt. Dies konnten uns die beiden eindrücklich zeigen:
Im Frühjahr 2003 trafen wir uns zu einem gemeinsamen Ausflug mit Jimena und ihrer inzwischen acht Monate alten Jungmannschaft. Gleichzeitig war auch der einen Monat ältere Leoneck-Wurf von Anita Treichler dabei. Der Spaziergang führte uns an einigen schlammigen Weihern vorbei zu einem kleinen Gartenrestaurant. Als wir dort ankamen, waren alle Leoneck-Hunde blitzsauber, sämtliche Eichbüel-Hunde hingegen waren dreckig bis zum Hals.
Während wir nun unsere Plätze im Garten einnahmen, hörten wir plötzlich einen Lärm aus der Küchentür des Restaurants: “Wem gehört dieser Hund? Holt diesen Hund weg”. Jimena war, von feinen Düften angelockt, unauffällig vom Weg abgebogen und direkt in die Küche marschiert.
Gegen Abend konnten wir es uns dann in einer Freizeitanlage zum Zvieri und Dessert bequem machen. Während dem Dessert gab es einen ziemlich giftigen Zwist zwischen zwei Rüden. Alle Menschen und Hunde waren ziemlich beeindruckt und gingen in Richtung des Kampfplatzes. Während dieser Zeit bediente sich Jimena selbständig am Dessertbuffet mit Kuchen, während Danira etwa ein halbes Dutzend Teller mit Crèmeschnitten leerte, welche die Kinder auf ein Mäuerchen gestellt hatten.
Dieses Fress-Gen hatte natürlich den Vorteil, dass Danira auch ein Allesfresser war. Man brauchte nie Angst zu haben, dass sie etwas nicht mochte oder nicht fressen würde. Ihre Leibspeisen waren gelbe Peperoni, Äpfel, Rüebli und selber geerntete Zuckerrüben. Der Nachteil ihrer Verfressenheit war, dass man immer aufpassen musste, dass sie nicht zu dick wurde. Leider ist uns dies nicht immer gelungen, von Zeit zu Zeit mussten wir Danira deshalb auf Diät setzen.

Während ihr Bruder Djambo und auch ihre Schwester Dishna mit gut zwei Jahren bereits schöne Erfolge an Ausstellungen feiern konnten, war Danira eher ein Spätzünder und mit ihrer kindlichen Art und den dünnen Beinen neben erwachsenen Hündinnen chancenlos. Der entscheidende Entwicklungsschub erfolgte jedoch pünktlich auf die ZTP im März 2005: Danira war hochläufig und musste deshalb bis ganz am Schluss im Auto warten. Bei Schnee und Matsch lieferte sie aber danach eine fast perfekte Prüfung ab. Im Wesenstest erreichte sie sogar die maximale Punktzahl, obwohl sie ihre Übungen - weil es überall nach Rüden duftete - mehrmals seelenruhig mit einem Pipi unterbrach. Wieder einmal zeigte sie uns “ihre ganz besondere Art”.
Im gleichen Frühjahr holte sie an der Landesgruppenschau in Leonberg mit einem dritten Platz ihren ersten Pokal. Von Anfang an war gut zu sehen, dass sie grosse Freude an der Ringarbeit hatte. Sie trat immer mit einer ruhigen, selbstsicheren Fröhlichkeit auf und strahlte den Richter freundlich an. Besonders zusammen mit Katharina Walder war sie bei jeder Ausstellung mit Begeisterung dabei. Die Beiden wurden zu einem ganz tollen Team und gewannen im gleichen Jahr noch an beiden Ausstellungstagen in St. Gallen.
Anfangs Oktober wollte Katharina Walder an die Französische Clubschau in Cluny, vor allem, um Züchterkollegen zu treffen. Sie nahm Danira mit an die Ausstellung und kam zurück mit mehreren Auszeichnungen. Danira setzte sich überraschend gegen fast 200 Hündinnen durch und wurde als schönste Hündin ausgezeichnet. Im gleichen Oktober gewannen sie noch die Schauen von Lausanne und Strasbourg. Diese fast unheimliche Serie fand im Frühjahr seine Fortsetzung mit dem Gewinn des BOB in München - was Danira zur Bayrischen Landesmeisterin machte - und dem zweiten Platz in Offenburg, direkt hinter ihrer Schwester Dishna. Mit weiteren Siegen im gleichen Jahr in Colmar, St. Gallen und mit BOB in Bulle erreichte sie den Schweizer und den Internationalen Championtitel. Für den Französischen Champion musste sie - neben den Siegen in Cluny, Strasbourg und Colmar - zusätzlich einen Blut-Gentest und die TAN, den französischen Wesenstest, bestehen. Alle diese Unterlagen gingen dann leider irgendwo zwischen der Schweiz und Paris verloren und wurden nie mehr gefunden...

Im Dezember war Danira mit Aldan von Wolfsblut zusammen und sollte demnächst Mutter werden. Obwohl Katharina Walder eine tolle Wurfkiste vorbereitet hatte, suchte sich Danira - typisch für sie - zuerst ihr eigenes Plätzchen. Sie begann, in derjenigen Hundehütte ihr Nest zu bauen, welche früher Baitas, dem Rüden des Hauses, gehört hatte, und welche Danira früher schon als einzige Hündin betreten durfte. Zum Glück merkte Katharina dies gerade noch zur rechten Zeit, sodass Danira im Januar 2007 in der vorgesehenen Wurfkiste stolze Mama wurde von acht Welpen, vier Rüden und vier Hündinnen.
Sie zog die Welpen in ihrer typischen ruhigen Art auf, sie genoss diese Zeit richtig. Mischka, die Kleinspitz-Dame des Hauses, half als strenges Kindermädchen mit.
Ende März kam Danira wieder zu uns nach Hause und brachte ihre Tochter Elaja in die Familie mit. Die beiden Hündinnen waren von Beginn weg ein Herz und eine Seele. In den gut vier Jahren, die sie bei uns zusammen verbringen konnten, gab es kein einziges Mal Streit. Danira strahlte eine souveräne Autorität aus, ohne je dominant oder aggressiv zu sein, und Elaja akzeptierte dies ohne Murren.
Diese Ausstrahlung zeigte sich auch unterwegs immer wieder. Danira mochte es überhaupt nicht, wenn irgendwo Streit zwischen Hunden ausbrach. Sie marschierte jeweils ganz ruhig direkt zwischen die Streithähne, blieb dort einfach in der Mitte stehen und machte ein bisschen ein strenges Gesicht. So konnte sie auf ihre besondere Art manchen Zwist beenden.

Leider muss auch eine so schöne Zeit irgendwann enden. Nach einem letzten Auftritt an der SCL Clubschau 2011 in Uster, wo sie bei den Veteraninnen gewann, war Danira die nächsten zwei Monate eigentlich gut im Schuss. Ende Juli folgte dann ein schlimmer Zusammenbruch, nach kurzer Erholung gleich ein zweiter. Es waren permanent starke Schmerzmittel notwendig.
Wir entschlossen uns deshalb zu einer genaueren Untersuchung bei Frau Dr. Eggenschwiler, unserer Tierärztin, welche auch Erfahrung mit Bioresonanz hat. Genau an diesem Tag passierte der dritte Zusammenbruch, sodass schon der Weg zur Praxis zu einer Qual wurde. Die Untersuchung zeigte eine schwere Erkrankung in den inneren Organen, eine Besserung oder gar eine Heilung schien nur schwer möglich.
Wir besprachen mit der Ärztin, ob eine Behandlung noch Sinn machte, oder ob wir Danira erlösen sollten. In diesem Moment hörte Danira selber auf zu atmen und starb innert wenigen Minuten direkt in der Praxis.

Liebe Danira, genau so wie du gelebt hast, bist du auch gestorben. Du hast selber entschieden, hast uns diese schwere Entscheidung abgenommen, auf deine ganz besondere Art. Wir werden dich nie vergessen. 

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